Das Recht auf Nahversorgung
Verbände und Forschungsinstitute prognostizierten schon 1995, dass die Versorgung mit Waren und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs im ländlichen Raum gefährdet ist.
Inzwischen haben viele Kommunen dies schon durch schmerzhafte
Einschnitte im Bereich der Nahversorgung erfahren:
Post, Bank, Lebensmittel- und Einzelhandel ziehen sich zurück.
Diese Entwicklung dürfte noch nicht ihr Ende erreicht haben.
Die Nahversorgung mit Waren und Dienstleistungen des
täglichen Bedarfs ist ein unverzichtbares Stück Lebensqualität
für die Menschen im Ländlichen Raum und stellt zudem eine wichtige Standortqualität für die Gemeinden dar.
So spektakulär der Untergang des vorherigen Ladens im Dezember 2009 auch war - so war es doch auch die zu erwartende Fortsetzung eines bundesweiten Trends. Wie alles anfing und wohin es geht
Ausgangssituation im Januar 2010
Seit Mitte Dezember 2009 gab es also in unserem Dorf keinen umfassenden Lebensmittel-Nahversorger mehr.
Für uns alle bedeutete das einen großen Verlust, da man für jedes kleine Fitzelchen in die Stadt fahren musste. Am schlimmsten waren diejenigen betroffen, die kein Auto haben oder nicht mehr so mobil sind. Dazu kommt noch der fehlende Paketdienst – fahren wir jetzt alle nach Wolfenbüttel, wenn ein Päckchen zu verschicken ist?
Dieser Zustand bedeutete eine beträchtliche Schmälerung der Lebensqualität in Flöthe.
Unser Beitrag
Wir wollen hier einen Teil dazu beitragen, die Situation zum Besseren zu gestalten.
Uns war erst einmal wichtig, dass es schnell wieder eine Minimalversorgung gibt.
Die Startphase im Januar 2010 unter provisorischen Bedingungen half uns und Ihnen, sich zu orientieren und darüber nach zu denken, ob wir überhaupt einen Dorfladen wollen.
Die Kernfrage lautet daher: was bedeutet es, einen Dorfladen zu betreiben und was bringt es den Menschen im Ort?
Wer einmal nach "Dorfladen" gegooglet hat weiß bereits, warum es in Deutschland immer weniger dieser gibt:
In Punkto Umsatzentwicklung sind die Discounter in den Städten die Gewinner, während die kleinen Lebensmitteleinzelhändler Umsatzrückgänge verzeichnen und die Bürger ein Stück wohnortnaher Versorgung mit Waren und Dienstleistungen verlieren. Kurz: In der Stadt kann man billiger einkaufen - und das zählt. Dorfladenbetreiber klagen über hohe wirtschaftliche Defizite, Dorfläden werden hoch verschuldet geschlossen. An anderer Stelle bilden sich Bürgerinitiativen, die mit hohen Privateinlagen und Zuschüssen versuchen "ihren" Dorfladen wieder auferstehen zu lassen. Wirtschaftlich gesehen ist ein Dorfladen ein Fiasko und z. B. der Mini-Markt hätte ohne konsequente Co-Finanzierung weder entstehen, noch bis dato am Leben erhalten werden können.
So sind denn auch unsere Ambitionen bestimmt von dem Interesse an der Dorfgemeinschaft und einem freundlichen, respektvollen, sich gegenseitig unterstützendem Miteinander. Nicht nur in Anbetracht der stetigen Bezuschussung aus Familienmitteln zeichnet sich hier im Dorfladen vor Allem eines ab:
Der Mini-Markt ist ein soziales Projekt.
Mit dem demografischen Wandel ist auf dem Lande wahr geworden, was viele nicht wahr haben wollen:
So schön das Leben auf dem Lande auch ist, ohne Dorfladen geht es nicht!
Wir haben Menschen gesehen, die fuhren im Januar, bei Schnee und Eiseskälte 16Km mit dem Rad zum Einkaufen, andere nahmen die Tortur einer eineinhalbstündigen Busfahrt mit Umsteigen für knapp 7 € in Kauf.
Für die Jüngeren unter uns ist das eine vermeidbare Zumutung, die fahren mit dem Auto in die Stadt. Doch für die Älteren, deren kleine Rente heut zu Tage kaum noch die Unterhaltung eines KFZ erlaubt sind das ganz viele, persönliche Einzeltragödien. Hier kann nur der Dorfladen Abhilfe schaffen.
Flöthe stimmt mit den Füßen ab
Inzwischen freuen wir uns über ein paar Dutzend Stammkunden, die gerne kommen, um in persönlicher, freundlicher Atmosphäre etwas zu kaufen und ein wenig zu plaudern. Bei all diesen Menschen bedanken wir uns recht herzlich - wir verstehen das als eine Äußerung des Bedarfs und der Freude an der Dorfladen-Idee. Vielen Dank - dieses Feedback war entscheidend für die Entwicklung:
Vom Kleinversuch in der Garage zum Laden.
Die eindeutige Meinung unserer Kunden: wir finden die Idee des Mini-Marktes gut - und gut, dass Ihr das macht! Man freut sich über die persönliche Bedienung und das Service-Angebot.
Auf-einander-zukommend, kommunikativ, freundlich, offen, respektvoll - das ist unsere Welt, die Welt im Mini-Markt, und so stellen wir uns das Leben in Flöthe vor.
Udo Schmalkoke, im März 2010